Darf ich Verträge selbst abschließen bzw. was darf ich selbst unterschreiben

Ob Sie Verträge selbst abschließen bzw. etwas selbst unterschreiben können, hängt vom sogenannten Wirkungsbereich des Sachwalters ab. Der Wirkungsbereich wird vom Gericht festgelegt. Dieses stützt sich dabei auf das Sachverständigengutachten.
Der Sachverständige hat zu prüfen, in welchen Bereichen Sie professioneller Hilfe bedürfen.

Wem darf der Sachwalter Auskunft geben?

Der Sachwalter ist allen Personen gegenüber zur Verschwiegenheit verpflichtet. Das gilt ausnahmslos. Oft beschweren sich Angehörige, dass sie vom Sachwalter keine Auskunft bekommen. Das ist aber durchaus sachgerecht: Oft sind nämlich die betroffenen Personen mit den Angehörigen im Streit. Oft streiten die Angehörigen untereinander. Der Sachwalter ist ja gar nicht in der Lage, zu beurteilen, ob es sich um „gute oder schlechte“ Angehörige handelt.

Was kann ich selbst noch machen? Sie können alles selbst machen, was Ihnen möglich ist. Die Sachwalterschaft soll Sie nur unterstützen. Sie können einkaufen gehen, kochen, waschen, fernsehen, spazieren gehen und überhaupt alles tun, was Ihnen sonst Freude macht. Sie können auch arbeiten oder anderen Leuten helfen, wenn Ihnen das möglich ist. Sie können auch arbeiten oder anderen Leuten helfen, wenn Ihnen das möglich ist. Sie können Geschäfte erledigen, soweit Sie sich dadurch nicht selbst belasten.

Missverständnisse und häufig anzutreffende falsche Erwartungshaltungen

Unsere Aufgabe ist nicht der Schutz der Umgebung der betroffenen Menschen vor diesen (etwa vor deren oft als lästig oder bedrohlich empfundenen Verhaltensweisen).
Sachwalterschaft ist kein „Rundum-sorglos-Paket“. Als Sachwalter ist man nicht für alles zuständig; vielmehr sollen die betroffenen Menschen weiterhin so viel wie möglich selbst erledigen, soweit sie dazu imstande sind. Wir sind kein Aufsichtsorgan, das bis in kleinste Details in das Leben der betroffenen Menschen eingreift und ihnen vorschreiben dürfte, wie sie zu leben haben.

Was macht das Gericht? Das Gericht spielt in jeder Sachwalterschaft eine ganz wichtige Rolle. Beim Gericht kann jeder bekanntgeben, dass er selbst oder jemand anderer (vielleicht ein Angehöriger oder Freund) möglicherweise die Hilfe eines Sachwalters benötigt.

Das Gericht prüft dann die Situation und bestellt eine geeignete Person, wenn dies zweckmäßig erscheint. Es überprüft die Tätigkeit des Sachwalters in regelmäßigen Abständen und kontrolliert auch dessen Abrechnungen.

Darüber hinaus steht das Gericht auch jederzeit für Anregungen und Beschwerden zur Verfügung.

Auch ob eine Sachwalterschaft wieder beendet werden kann, wird durch das Gericht entschieden.

7Der Sachwalter ist oft auch, wo notwendig, für den Aufgabenbereich Verwaltung des Einkommens und Vermögens bestellt. Er wird in diesem Fall zuallererst dafür Sorge tragen, dass Sie ein regelmäßiges Einkommen haben. Dazu wird er die notwendigen Anträge stellen, etwa beim AMS, bei der MA 40, der PVA, der Gebietskrankenkasse oder wo es eben sinnvoll ist.
In vielen Fällen braucht er dazu Ihre Mitwirkung, etwa indem Sie Untersuchungstermine oder Termine beim AMS wahrnehmen.Ihr Sachwalter richtet für Sie ein eigenes Bankkonto ein, auf das nur er Zugriff hat. Auf dieses Konto kommen alle Geldeingänge, und über dieses Konto werden alle Zahlungen, die Sie betreffen, abgewickelt.

Bin ich wahlberechtigt? Ja. Die Bestellung eines Sachwalters hat keinen Einfluss auf das Wahlrecht. Sie können dieses weiterhin selbständig ausüben. Der Sachwalter hat da nichts mitzureden.

Wie werde ich meinen Sachwalter los? Zunächst wollen wir uns damit befassen, wie Sie die Sachwalterschaft an sich (und damit natürlich auch Ihren Sachwalter) loswerden können.

Der Sachwalter soll Sie nur so lange und so weit wie notwendig begleiten. Wenn Sie Ihre Angelegenheiten wieder selbst erledigen können, haben sowohl Sie als auch Ihr Sachwalter die Möglichkeit, bei Gericht die Aufhebung oder Einschränkung der Sachwalterschaft zu beantragen. Auch hat das Gericht von sich aus in regelmäßigen Abständen zu prüfen, ob und in welchem Ausmaß die Sachwalterschaft noch notwendig ist. 

Oft ist ein neuerliches psychiatrisches Sachverständigengutachten notwendig, auf dessen Basis das Gericht über die Fortführung, Aufhebung oder Einschränkung der Sachwalterschaft entscheidet. 

Bin ich jetzt entmündigt?Obwohl der Begriff der Entmündigung schon seit Jahrzehnten nicht mehr der Rechtsordnung angehört, wird er doch noch immer mit dem Institut der Sachwalterschaft in Verbindung gebracht.

Tatsächlich ist Sachwalterschaft ein Hilfsangebot. Es soll Sie dort unterstützen, wo Sie Probleme haben, bestimmte Angelegenheiten selbst zu erledigen, ohne dabei Nachteile zu erleiden. Es ist in vielen Fällen – etwa beim unüberlegten Abschluss von Verträgen – ein Schutz für Sie.

Es ist verständlich, dass Sie es manchmal als Einschränkung empfinden, wenn Sie jemanden anderen fragen müssen, bevor Sie etwas tun können. Das ist allerdings keine Entrechtung, im Gegenteil: Oft ist es erst der Sachwalter, der Ihnen zu Ihrem Recht verhilft.

Einen Sachwalter zu haben, ist keine Schande. Man muss sich ja auch nicht schämen, wenn man krank ist und deshalb die Hilfe eines Arztes in Anspruch nimmt. So ähnlich ist eine Sachwalterschaft zu sehen: Man kommt mit etwas nicht allein zurecht und braucht die Unterstützung eines anderen.

 

9Der Sachwalter bekommt für seine Tätigkeit keine staatliche Unterstützung (Ausnahme: die Sachwaltervereine).

Er hat Anspruch auf Entschädigung für seine allgemeine Tätigkeit und Anrecht auf ein Entgelt, wenn er – etwa als Anwalt – seine spezifischen beruflichen Kenntnisse einsetzt (zB in einem Prozess für Sie).

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